Die Entscheidung, Fenster auszutauschen, ist oft einer der effektivsten Schritte bei der thermischen Sanierung eines Gebäudes. Doch selbst das beste Fenster mit dreifacher Verglasung nützt wenig, wenn der Einbau mangelhaft ist. In diesem Artikel beleuchten wir die kritischen Aspekte der Fenstermontage in Wien, insbesondere unter Berücksichtigung der strengen österreichischen Normen und den Besonderheiten des Wiener Altbaus.
Warum die Montage nach ÖNORM B 5320 entscheidend ist
In Österreich regelt die ÖNORM B 5320 den fachgerechten Einbau von Fenstern und Türen. Das oberste Prinzip lautet dabei: "Innen dichter als außen". Eine korrekte Montagefuge muss drei Ebenen berücksichtigen, um Bauschäden wie Schimmelbildung zu vermeiden:
- Innere Ebene (Raumseite): Diese muss luftdicht und dampfdiffusionsdicht sein. Sie verhindert, dass feuchte Raumluft in die Dämmung eindringt.
- Mittlere Ebene (Funktionsbereich): Hier befindet sich die Wärme- und Schalldämmung. Der Hohlraum zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk muss vollständig mit PU-Schaum oder alternativen Dämmmaterialien ausgefüllt werden.
- Äußere Ebene (Wetterseite): Diese Schicht muss schlagregendicht, aber gleichzeitig dampfdiffusionsoffen sein, damit eventuelle Feuchtigkeit aus der Fuge nach außen entweichen kann.
Wird dieses Prinzip missachtet, drohen Wärmebrücken und folgenschwere Feuchtigkeitsschäden im Mauerwerk.
Besonderheiten im Wiener Altbau
Wien ist berühmt für seine Gründerzeithäuser. Bei der Fenstersanierung im Altbau ("Kastenfenster") gibt es jedoch spezifische Herausforderungen:
- Denkmalschutz: In vielen Wiener Bezirken stehen Fassaden unter Schutz. Das neue Fenster muss oft die optische Anmutung des Originals beibehalten (z.B. Holzfenster, spezielle Sprossenaufteilung).
- Laibungssanierung: Beim Ausbau der alten Kastenfenster entstehen oft große Schäden an der Laibung. Eine professionelle Glättung und Verputzung ist vor dem Einbau der neuen Rahmen essenziell.
- Statik: Die neuen Fenster sind durch Mehrfachverglasung oft deutlich schwerer als die alten Modelle. Die Verankerung im Mauerwerk muss entsprechend robust dimensioniert sein.
Materialwahl: Kunststoff, Holz oder Alu?
Die Wahl des Rahmenmaterials beeinflusst nicht nur die Ästhetik, sondern auch die Langlebigkeit und den Pflegeaufwand:
- Kunststofffenster: Preiswert, pflegeleicht und mit sehr guten Dämmwerten. Ideal für moderne Wohnungen.
- Holzfenster: Bieten natürliche Feuchtigkeitsregulierung und sind im Denkmalschutz oft Pflicht. Sie benötigen jedoch regelmäßige Wartung (Streichen).
- Holz-Alu-Fenster: Die Kombination aus wohnlichem Holz innen und wetterfestem Aluminium außen gilt als Premiumlösung für die Fenstermontage.
Ablauf einer professionellen Fenstermontage
Ein strukturierter Ablauf garantiert, dass der Fenstertausch an einem Tag pro Zimmer erledigt sein kann:
- Ausmessen: Millimetergenaues Naturmaß ist die Basis.
- Abdecken: Schutz von Böden und Möbeln vor Staub.
- Demontage: Vorsichtiges Herausschneiden der alten Rahmen.
- Vorbereitung: Säubern der Laibung.
- Einsetzen & Ausrichten: Der neue Rahmen wird mit Keilen fixiert und mittels Wasserwaage exakt ausgerichtet.
- Verschraubung & Schäumen: Fixierung im Mauerwerk und Ausschäumen der Fugen.
- Abdichtung: Anbringen der Dichtbänder (innen und außen).
- Justierung: Einstellen der Fensterflügel für leichtgängiges Öffnen und Schließen.
Experten-Tipp: Achten Sie bei der Beauftragung einer Firma darauf, dass die Entsorgung der Altfenster im Angebot enthalten ist. Dies spart Ihnen Zeit und logistischen Aufwand.
Häufige Fehler vermeiden
Ein häufiger Fehler bei der Fenstermontage in Eigenregie ist die ausschließliche Verwendung von Bauschaum ohne zusätzliche Dichtbänder. Bauschaum allein ist weder luft- noch schlagregendicht. Mit der Zeit zersetzt er sich durch UV-Strahlung und verliert seine Dämmwirkung. Investieren Sie daher immer in eine Montage nach dem Stand der Technik (RAL-Montage bzw. ÖNORM), um den Wert Ihrer Immobilie nachhaltig zu steigern.